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Weinland Italien

 

 

Die Griechen nannten es "Enotria", Land des Weins - eine uralte Kulturlandschaft. Und in der Tat, Italien ist in der glücklichen Lage, daß in allen seinen Provinzen Wein wächst: Vom Eisacktal in Südtirol bis nach Sizilien und Pantelleria. Es gibt dabei nicht nur eine große Vielfalt von Landschaften und Böden, sondern auch eine Unzahl von Rebsorten. Erzeugt werden dabei Weine in allen Qualitätsstufen: vom einfachen Tischwein bis zum weltweit gesuchten Kultwein. Dabei werden heute nicht nur die einheimischen Rebsorten angebaut wie Nebbiolo, Sangiovese oder Aglianico, sondern seit den 50iger-Jahren des letzten Jahrhunderts zunehmend auch internationale Sorten wie Chardonnay, Cabernet Sauvignon oder Merlot. Das hat zu einigen der besten Weine Italiens geführt (Sassicaia, Solaia etc), aber auch dazu beigetragen, daß die Typizität einiger Weine erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Krise des Chianti sei hier stellvertretend genannt. Dieser Trend wurde noch verstärkt durch die immer stärker werdende "Barriquomanie", den Ausbau im kleinen, oft neuen, Holzfass, der nicht wenige Weine entstellt. Andreas März von der Zeitschrift Merum nennt diese stark vom Holz geprägten Weine, die Biberweine. Wir sind der Meinung, daß mancher dieser Winzer besser Schreiner oder Zimmerer geworden wäre. Dennoch findet man heute eine solche Vielfalt an Weinen in den verschiedenen Landstrichen, daß man nicht nur in den großen und bekannten Weingebieten, sondern vor allem auch bei den einfacheren, regionalen Weinen, immer wieder wunderbare Entdeckungen machen kann. Und diese Weine passen zu den regionalen Küchen in ganz besonderer Weise: Vermentino oder Pigato zu den ligurischen Vorspeisen und den Fischgerichten, der Lambrusco zu den Wurstwaren der Emilia-Romagna, der Vernatsch zum Südtiroler Speck und den gerösteten Maroni.....

Das italienische Weinrecht kennt vier Qualitätsebenen: Die unterste Ebene bilden die Vino da tavola (Tafelweine, dann folgt die IGT Indicazione Geografica Typica (entspricht unserem Landwein oder dem franz. Vin de Pays), dann folgen die  Denominazione di Origine Controllata und die  Denominazione di Origine Controllata e Garantita. Nicht nur für italien gilt, daß diese Klassifikationssysteme zwar grundsätzlich Mindeststandards festsetzen, damit wird aber noch keine überdurchschnittliche Qualität gesichert. Für sie bürgt immer noch der Winzer mit seiner Sorgfalt und seinem Können. Trotzdem läßt sich heute sagen, daß die DOCG klassifizierten Weine, bis auf eine Ausnahme, in der Tat die qualitative Spitze in Italien darstellen. Alledrdins gibt es unter den IGT-klassifzierten Weinen ebenfalls absolute Soitzenweine, da diese Kategorie ein Sammelbecken unterschiedlichster Weinqualitäten darstellt. Sie reichen vom einfachen Landwein bis zur Spitzencuvée mit regional nicht zugelassenen Rebsorten. Wer sich genauer für das neue EU-Weinrecht interessiert, findet hier eine Zusammenstellung der wichtigsten Regelungen und der Qualitätsbezeichnungen.

Venetien

 

Die Weinbauregion Ventien erstreckt sich vom Gardasee bis an die Adria um Venedig. Zum Teil liegen die Weinberge an den Hängen des südlichen Voralpenlandes zum Teil in der Po-Ebene. Die bekanntesten der 25 DOC(G)-Bereiche kommen aus der Region um Verona: Bardolino, Valpolicella, Lugana, Soave und natürlich dem  Prosecco-Gebiet. Mengenmäßig liegt Venetien auf dem dritten Platz in Italien, hinter Apulien und Sizilien. Bei der Erzeugung von Qualitätsweinen (DOC und DOCG) liegt es jedoch auf dem ersten Platz. Die Rebsorten- und Weinvielfalt ist in Venetien besonders groß und so lohnt es sich neben den vielen touristischen Highlights oder anläßlich es Badeurlaubs in diese Vielfalt einzutauchen. Neben den internationalen Rebsorten wie Chardonnay, Cabernet oder Merlot wird auch ein große Zahl einheimischer Rebsorten angebaut, die durchaus interessante, abwechlungsreiche Weine ergeben: Raboso, Tocai*, Verduzzo. Nach vielen Jahren des Niedergangs des Prosecco sind jetzt neue Richtlinien und Schutzbestimmungen in Kraft getreten, die erstmals ab 2011 hoffen lassen, daß die Qualität wieder zuverlässiger wird. Es gibt 2 schöne Einrichtungen im Veneto. Einmal die offenen Weine in Restaurants (meist Tocai* oder Prosecco) unkompliziert, frisch und fruchtig. Sehr gut zu den Gemüsen der Po-Ebene und zu vielen Fischgerichten. Eine wunderbare Einrichtung ist die "Ombra" : Man trifft sich - vorzugsweise vor den Bars, Osterien etc. im Freien - und trinkt einen Schluck Wein und bekommt dazu kleine Häppchen.

Amarone 1959 Noch ein paar Worte zu Valpolicella und Lugana: Der DOC-Status gilt für einen einfachen, leicht zu trinkenden Rotwein, den kräftigeren (reiferen) Superiore, den Amarone (DOCG) und den seltenen süßen Recioto. Valpolicella wird aus Corvina-, Rondinella- und Molinara-Trauben hergestellt. Während der Valpolicella wie andere Rotweine ausgebaut wird, besteht die Besonderheit des Amarone darin, daß ein Teil oder alle Trauben nach der Ernte auf speziellen Gestellen leicht getrocknet werden. Hierbei konzentrieren sich die Geschmacksstoffe und die weitgehend trocken ausgebautenWeine werden wuchtig mit bis zu 16/17% Alkohol. Sie sind sehr lagerfähig und entwickeln im Alter eine erstaunliche Feinheit und Länge. Zwischen diesen beiden Typen steht der Ripasso, bei ihm werden ausgewählte Trauben normal vinifiziert, anschließend mit Amarone-Trester versetzt  und es findet eine 2. Gärung statt. Dies gibt dem Wein zusätzliche Kraft und Aroma.

Der Lugana, früher ein einfacher Karaffenwein, schwingt sich in immer neue Höhen auf. Der aus der Trebbiano di Lugana hergestellte Weißwein (wahrscheinlich ein Verduzzo-Klon) wächst südlich des Gardasees, wobei ein Teil des Weingebiets in der Lombardei liegt. Er präsentiert sich strohgelb mit grünlichen Reflexen und ist in seiner Jugend ausgesprochen frisch und blumig. Manche Weine bekommen bei etwas Lager goldene Reflexe und eine gewisse Tiefe. Nicht nur ein Urlaubswein, auch wenn er solche Erinnerungen hervorruft.

 

*Tocai oder Tocai Friulano dürfen so nicht mehr heißen, damit dieser Wein nicht mit dem ungarischen Tokayer verwechselt werden kann. nach langem Hn und Her heißt die Rebsorte nunmehr Tai in Venetion und Friulano in Friaul. Was aber weder Winzer, Gastronomen und auch Händler daran hindert den alten Namen weiterhin zu verwenden.

Weinberge und Olivenhaine um Le Cinciole

Toskana

 

Die Toskana beherbergt einige der großen Weinregionen Italiens. Es sind Weine, die wie der Carmignano oder der Chianti eine große Tradition haben und deren Regularien z.T. vor rund 300 Jahren aufgestellt wurden und Weine, die relativ modern sind, nicht nur von der Rebsortenzusammensetzung, sondern auch von der Machart. Viele der Spitzenweine der Toskana wie der Sassicaia, der Solaia oder andere Weine, mit international üblichen Rebsorten, waren bis zur Einführung der IGT oder eigener DOC's als Vino da tavola, also Tafelwein eingestuft.

Inzwischen gibt es in der Toskana eine Vielzahl von DOCG's und DOC's. Das bekannteste und größte Weingebiet ist das Chiantigebiet. Es erstreckt sich von Pisa bis nach Siena und Arezzo und ist in mehrere Anbauzonen unterteilt.  Neben Chianti Rufina kommen die besten und bekanntesten Weine aus dem Chianti Classico, einem hügeligen Gebiet zwischen Florenz und Siena. Die vorherrschende Traubensorte ist die Sangiovese, die allerdings oft nicht völlig reinsortig verwendet wird, sondern traditionell mit Mammolo und Canaiolo (früher auch mit der Weißweintraube Trebbiano) oder modern mit Cabernet Sauvignon oder Merlot verschnitten wird. Dies ist auch eines der Probleme was die Typizität der Chiantiweine anbetrifft: Die modernen Rebsorten überdecken sehr stark das Aroma der Sangiovesetrauben, so daß Weine entstehen, die wenig oder nichts mehr von der feinen Frucht und dem Bittermandelgeschmack an sich haben, aber eher einem breiten Publikumsgeschmack entsprechen. Durch diesen Trend wurde in den Weinbergen zu wenig Wert gelegt auf die Anpflanzung qualitativ hochwertiger Klone und ertragsschwacher Unterlagsreben. Sie garantieren - wie man im Übrigen auch beim Brunello sieht - große, typische Weine, wie sie eben nicht in anderen Regionen der Welt erzeugt werden.

 

Lombardei

 

Die Grenze zwischen Venetien und  der Lombardei südlich des Gardasees, läuft längs durch das Lugana-Gebiet. Der größere Teil des Lugana wächst in der  Lombardei. Der Lugana ist jedoch nur ein bekannter Wein aus dieser Provinz. Weltberühmt sind die Schaumweine aus Franciacorta, die weißen Stillweine aus diesem Gebiet (unter der DOC Curtafranca mit hohem Chardonnay-Anteil) werden immer besser.  Trotz des hohen Bekanntheitsgrad dieser Weine fehlt dieser größten und bevölkerungsreichsten Provinz Italiens ein Profil als Weinbau-Provinz. Das liegt sicher daran, daß die Gebiete nicht zusammenhängend sind und abseits der Hauptverkehrswege liegen und dementsprechend nicht wahrgenommen werden. Es ligt aber auch an der Unterschiedlichkeit. Das Valtellina am Fuß der Alpen ist das nördlichste Nebbiolo-Gebiet.  Relativ weit entfernt davon liegt das größte Weingebiet der Lombardei - die DOC Oltre Pavese, mit sehr vielen zugelassenen Rebsorten.


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